III. Zentral- und Südostgabun

 

Cyprinodontiden-Studien in Gabun

III. Zentral- und Südostgabun

 

Univ.-Doz. Dr. A. C. Radda, Institut für Virologie, Universität Wien, Kinderspitalgasse 15, A - 1095 Wien

Ing. J.H. Huber, Musée de Zoologie, 34, rue Ste-Catherine, F - 54000 Nancy

 

lm weiteren Verlauf unserer im Juli/August 1976 durchgeführten Sammelreise nach Gabun (Die Sammelreise wurde teilweise mit finanzieller Unterstützung durch den österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung, Projekt Nr.2457, durchgeführt") fuhren wir zunächst von Ndschole (N'jolé) weiter über Niabé, Alembé nach Ayem. Von hier aus dehnt sich - wie bereits in der ersten Folge unseres Berichtes erwähnt - ein Savannenstreifen nach Osten bis über Booué aus, der auch nach dem Süden eine Ausdehnung von etwa 40 km erreicht. In dieser Region fanden LAMBERT et GÉRY (1967) eine Form der Gattung Aphyosemion, die sie nach den meristischen Werten dem Taxon Aphyosemion christyi (BLGR., 1915) zuordneten. Es wurde jedoch in dieser Arbeit erwähnt, dass die Körpergrundfarbe dieser Fische blau sei, was im Gegensatz zu allen bisher bekannt gewordenen Vertretern aus dem A. elegans - Komplex steht (s. auch SCHEEL, 1972). BOCHTLER und GASPERS gelang es bei ihrer Sammelreise im Jänner 1976, von einem Bach nahe dem Ogowe, wohin sie über eine Nebenstrasse, welche in Richtung Achouka führt, gelangten, Fische dieser Form lebend nach Europa zu bringen.

Wir waren daher bemüht, mehr über die Verbreitung dieses Fisches zu erfahren, was aber zunächst noch nicht zu realisieren war. Bei den Sammelorten Nr. G7/76 nahe Alembé, Nr. G8/76 bei Sangavil und Nr. G9/76 nach der Brücke von Ayem über den Ogowe fanden sich in durchaus geeignet erscheinenden Biotopen lediglich PIataplochilus spec., Barbus cf. trispilomimus und Kaulquappen. Erst bei Sammelort Nr. G10/76 in der «Région des Abeilles», durch welche die erst seit kurzer Zeit fertiggestellte Nationalstrasse Nr.3 («route économique»} in Richtung Südosten nach Lastoursville führt, fanden wir zum ersten Mal - und zwar in einem kleinen Rinnsal im dichten Regenwald - diese gesuchte Art, die wir dann im weiteren Verlauf unserer Fahrt auch wesentlich weiter südöstlich, bei Sammelort Nr. G16/76 bei Lekoko an der Nationalstrasse Nr.3 zwischen Moanda und Lastoursville sowie bei Sammelort Nr. G17/76 etwa 6 km SW Lastoursville an der Nationalstrasse Nr.6 in Richtung Koulamoutou nachweisen konnten. Dieser Fisch wird in der Folge als Aphyosemion lamberti sp. nov. beschrieben. Wir widmen diese hübsche neue Art einerseits Monsieur Ing. J. G. LAMBERT, Roeselare/Roulers, Belgien, welcher sich seit vielen Jahren mit der Systematik und Verbreitung von Cyprinodontiden beschäftigt und insbesonders in Gabun wertvolle Untersuchungen durchgeführt hat, sowie andererseits dem bekannten französischen Killifisch-Liebhaber, Monsieur André LAMBERT, Orléans, Frankreich, der unter anderem auch diese Art im Aquarium nachgezüchtet hat.

Einer der wesentlichsten Programmpunkte dieser Sammelreise war es, das von den Léconi- und La Passa-(M'passa)-Subsystemen des oberen Ogowe beschriebene Aphyosemion ogoense (PELLEGRIN, 1930) dort wiederzufinden, um damit eine seit langem in taxonomisch-systematischer Hinsicht offene Frage zu klaren.

In der Zwischenzeit wurde durch umfassende Studien von WILDEKAMP (1976) die Identität dieses Taxons aufgeklärt. A. ogoense - das in der Aquaristik seit 1958 unter den Bezeichnung «A. lujae», «A. striatum» und «A. striatum ogoense» bekannt und weil verbreitet worden ist - stammt vom Lutete/Niari- bzw. vom Lefini-System in Congo/Brazzaville, welche im Gebiet der im Massa Hills entspringen. Auch der Ogowe selbst, sowie seine großen, oberen, rechtsseitigen Zubringer M'passa und Léconi entspringen den Massa Hills und entwassern nach Norden. In diesen Gewässern sammelte BAUDON das Material, welches PELLEGRIN später der Beschreibung seines Haplochilus lujae var. ogoensis als Typen zugrunde legte (Abb.1: A. ogoense aus der Typenserie des Haplochilus lujae var. ogoensis PELLEGRIN (1930), gesammelt von M. A. BAUDON im Léconi (oben), b.z.w. im La Passa (unten); leicht idealisiert gezeichnet von R. H. WILDEKAMP). Möglicherweise wurden diese Fische in den obersten Zuflüssen dieser Systeme gesammelt, die heute im Territorium des Staates Congo/Brazzaville liegen. Wir konnten jedenfalls bei Sammelort Nr. G11/76, im Ossami, einem schnellfließenden Bach in der Baumsavanne des Batéké-Hochlandes, des Djouele- Léconi-Systems, neben Aplocheilus (Epiplatys) cf. nigricans (BLGR., 1913) (siehe Abb. 2: Aplocheilus (Epiplatys) cf. nigricans, Männchen (oben) und Weibchen (unten), Wildfänge von Sammelort Nr. G11/76; Fotos: E. PÜRZL) und Tilapia spec., eine Aphyosemion - Art des A. elegans - Komplexes finden, deren Färbungs- und Zeichnungsmuster, insbesonders der Afterflosse, allerdings große Ähnlichkeit mit der des A. ogoense aufweist. Diesen überaus färbensprächtig gezeichneten Fisch fanden wir dann auch bei Sammelort Nr. G14/76, einem Sumpf mit massigem Durchfluss des M'passa-Systems nahe der Straßenkreuzung Kelé-Omoy. Da diese Art im Gegensatz zu A. ogoense tatsächlich in Léconi- und M'passa- Zuflüssen des Ogowe auf gabunischem Territorium gefunden wurde, soll sie im folgenden als Aphyosemion rectogoense sp. nov. benannt und beschrieben werden (Abb.3: Unterschiede in meristischen Merkmalen sowie im Zeichnungsmuster zwischen A. rectogoense- Männchen (oben) und A. ogoense Männchen (unten); Zeichnungen: R. H. WILDEKAMP).

An weiteren Fischarten wurden bei Sammelort Nr. G12/76 bis G14/76 Barbus cf. holotaenia (12, 13), Ctenopoma spec. (13) sowie Hemichromis fasciatus (14) gesammelt.

 

Anhang: Beschreibung von Aphyosemion lamberti sp. nov. und Aphyosemion rectogoense sp. nov.

Aphyosemion lamberti sp. nov.

Code-Bezeichnung: LAI

Aphyosemion christyi (BLGR., 1915) sensu LAMBERT et GÉRY (1967)

Material:

Holotypus: adultes Männchen (34,5 mm Standardlänge), gesammelt von BOCHTLER und GASPERS im Jänner 1976 in einem Bach nahe dem Ogowe an einer Nebenstrasse nach Achouka westlich von Booué, SH etwa 180 m; fixiert am 18.9.1976 nach Aquarienhaltung bei Herrn O. BÖHM, Wien, der uns das Exemplar in verdankenswerter Weise überließ.

Paratypen: Nr. 1 bis Nr.40 (Männchen, Weibchen und Subadulte 27,5 bis 16,5 mm Standardlängen), gesammelt und fixiert bei Sammelort Nr. G16/76 nahe Lekoko, 12 km SO Bogadio, an der Strasse von Moanda nach Lastoursville, in einem Bach im Regenwald, SH etwa 510 m, am 7.8.1976 von den Autoren.

Nr. 41 bis Nr. 50 (8 Männchen, 2 Weibchen, 24,5 bis 19,5 mm Standardlängen), gesammelt und fixiert bei Sammelort Nr. G10/76 in der «Région des Abeilles», 136 km NW Lastoursville an der «Route économique» in einem kleinen Bachlein des Obiga, Offoué, Mittel-Ogowe, in dichtem Regenwald am 4.8.1976 von den Autoren.

Nr. 52 bis Nr. 53 (2 Männchen, 25,5 und 23,5 mm Standardlängen), gesammelt und fixiert bei Sammelort Nr. G17/76, 6 km SW Lastoursville an der Strasse nach Koulamoutou, in einem kleinen, schnellfließenden Bach nahe dem Ogowe, SH 230 m, am 7.8. 1976 von den Autoren.

Holotypus, Paratypen Nr. 1 bis 5, 34 bis 40, 41 bis 50 im Naturhistorischen Museum Wien, Fischsammlung; Paratypen Nr. 6 bis 9 im Museum national d'Histoire naturelle, Laboratoire d'Ichtyologie générale et appliquée, Paris; Paratypen Nr. 10 bis 35 im Musée de Zoologie de l'Université et de la Ville de Nancy; Paratypen Nr. 52 bis 53 im Koninklijk Museum voor Midden- Afrika, Tervuren.

Meristische und morphometrische Daten (siehe auch Tab.1) als Mittelwerte mit den Standardabweichungen in Klammern:

Dorsalstrahlen 9,3 (0,5); Analstrahlen 13,6 (0,5); Position des Beginnes der Dorsale über der Anale 1/8; Schuppen-Längsreihe 28,1 + 2,3 (0,5); Totallänge 126,8% (1,3); Praedorsallänge 68,8% (1,2); Praeanallänge 58,3% (1,3); Praeventrallänge 47,8% (1,6); Körperhöhe 19,5% (1,2); Kopflänge 15,7% (1,6); Augendurchmesser 8,4% (0,5); Schnauzenlänge 9,4% (0,5). D3 bis D9 und A7 bis A13 (14) gegabelt; D, A und C beim Männchen in Spitzen ausgezogen, keine Ctenoidie; Muster der Seitenlinien-Organe der Kopf-Oberseite offen, trapezoid; Beschuppung vom G- Typ.

Abb.4: Aphyosemion lamberti sp. nov. Männchen, Holotypus, (oben), Männchen und Weibchen (Mitte) von Sammelort Nr. G16/76, Männchen (unten) von Sammelort Nr. G10/76

Zeichnungs- (Abb.4) und Färbungsmuster der Männchen:

Oberseite dunkel, Unterseite hell beige, Körperseiten stets mit blauen bis perlmutterfarbenen, stark reflektierenden Strukturfarben mit unregelmäßig verteilten tiefroten Punkten, an den Kopfseiten und am Operculum wie für Aphyosemion charakteristisch, drei dunkelrote Streifen. Unpaare Flossen und Ventralen auf blauem Grund rot gepunktet bzw. mit roten Streifen versehen und am Rande gesäumt. In den farblosen Pectoralen einige rote Tüpfel und Streifchen.

Zeichnungs- (Abb.4) und Färbungsmuster der Weibchen:

Körperfärbung braungrau, oberseits dunkler, unten hell beige, ohne blaue Reflexfärbung, mit einigen, meist in unregelmäßigen Reihen stehenden feinen rotbraunen Pünktchen an den Kreuzungspunkten der Schuppen. Flossen farblos mit ebensolchen rotbraunen Pünktchen wie an den Körperseiten.

Biologie und Ökologie:

Die Habitate von A. lamberti sp. nov. sind meist kleine und kleinste Bache im Regenwald oder in der Feuchtsavanne Zentral-Gabuns. Bei Sammelort Nr. G10/76 betrug die Breite des Rinnsals etwa 30 cm bis 1 m, die Wassertiefe 3 bis 10 cm. Es wurden um etwa 18.40 bei einer Lufttemperatur von 23°C und einer relativen Feuchte von 94% eine Wassertemperatur von 23,2°C, ein pH-Wert von 5,2, eine Gesamthärte von etwa 0,5°DH sowie eine el. Leitfähigkeit von 30 µS20 gemessen. Neben A. lamberti konnten H. fasciatus, Clarias spec. und Xenopus fraseri gesammelt werden. - Sammelort Nr. G16/76 war ein gestauter Bach mit Waschplatz in Sekundarwald. Wir registrierten bei einer Lufttemperatur von 25°C und einer relativen Feuchte von 84% eine Wassertemperatur von 23,7°C, einen pH-Wert von 5,8, eine Gesamthärte von etwa 0,5°DH und eine el. Leitfähigkeit von 24 µS20. Neben A. lamberti erbeuteten wir B. cf. trispilomimus und Kaulquappen. - Sammelort Nr. G17/76 war ein kleiner, schnellfließender Bach nahe seiner Mündung in den Ogowe. Das Bett hatte eine Breite von 1 bis 2 m, die Wassertiefe betrug 10 bis 20 cm. Die Lufttemperatur betrug um 14.20 25°C, die relative Feuchte 90%. Das Wasser hatte eine Temperatur von 21,8°C, einen pH-Wert von etwa 5, eine Gesamthärte von 1,2°DH und eine Leitfähigkeit von 57 µS20. Auch hier fanden wir mit den Prachtkärpflingen B. cf. trispilomimus vergesellschaftet. A. lamberti sp. nov. laicht am Substrat, und die Entwicklung der Embryonen in den Eiern ist keiner Diapause unterworfen. Nachzuchten des Stammes aus Achouka bei F. BOCHTLER, Rudersberg und bei O. BÖHM, Wien, des Stammes von G10/76 bei O. BÖHM, E. PÜRZL, Wien, und A. LAMBERT, Orléans, des Stammes von G16/76 bei W. WACHTERS, Tremelo.

Systematische Position:

Die morphologischen, meristischen und sonstigen eidonomischen Befunde von A. lamberti sp. nov. lassen dieses als nordwestlichen Vertreter des A. elegans - Komplexes erkennen. SCHEEL (1972) konnte zeigen, dass alle bisher aus Zaïre lebend importierten Formen dieses Komplexes einen unterschiedlichen Karyotyp aufwiesen, dem auch stets ein charakteristisches Färbungsmuster zuzuordnen war. Keine der untersuchten Arten zeigt eine derartig intensive blaue Reflexfärbung der Körperseiten sowie der Flossen wie die Männchen von A. lamberti. Die am nächsten verwandten Arten sind einerseits das in der Folge unten zu beschreibende A. rectogoense, welches mit seinem Areal im Südosten anschließt, und andererseits im Norden Aphyosemion punctatum RADDA und PÜRZL (1977), welches sowohl im Zeichnungs- und Färbungsmuster als in der Flossenform (auch im männlichen Geschlecht gerundete unpaare Flossen!) bedeutende Unterschiede zeigt. Weiter nördlich im südöstlichen Kamerun ist Aphyosemion wildekampi BERKENKAMP (1973) verbreitet. Nach Westen wird in Gabun A. lamberti durch das ebenfalls nahe verwandte Aphyosemion gabunense RADDA (1975) ersetzt, welches seinerseits wieder verwandtschaftliche Beziehungen zum A. striatum - Komplex aufweist. - Aphyosemion louessense (PELLEGRIN, 1931) vom Niari-Kouilou-System in Congo/Brazzaville zeigt zwar oberflächlich ein ähnliches Zeichnungs- und Färbungsmuster, bildet jedoch insbesondere wegen seiner meristischen Werte gemeinsam mit Aphyosemion labarrei POLL (1952) vom unteren Kongo eine eigene Gruppe (siehe Abb. 5: Unterschiede zwischen verschiedenen verwandten oder ähnlich gezeichneten Arten; von oben nach unten: A. lamberti Männchen, A. punctatum Männchen, A. wildekampi Männchen, A. gabunense Männchen, A. louessense Männchen; Zeichnungen: R. H. WILDEKAMP).

 

Aphyosemion rectogoense sp. nov.

Code-Bezeichnung: ROG

Material:

Holotypus: Männchen (26,0 mm Standardlänge), gesammelt bei Sammelort Nr. G11/76, in einem Bach des Djouele, Léconi- Systems, etwa 6 km W der Stadt Léconi, an der neuen Strasse von Franceville über Bongoville, etwa 480 m SH am 6.8.1976 von den Autoren.

Paratypen: Nr. 1 bis Nr. 19 (Männchen, Weibchen und Subadulte; 26,0 mm bis 12,5 mm Standardlängen) gesammelt am selben Ort zum selben Zeitpunkt von den Autoren. - Nr. 20 (Männchen 23,5 mm Standardlänge), gesammelt bei Sammelort Nr. G14/76, einem Sumpfgebiet mit geringem Durchfluss in offener Savanne; M'passa- System nahe der Kreuzung Kelé-Omoy, SH etwa 460 m, am 6.8. 1976 von den Autoren, fixiert am 18.9.1976.

Holotypus und Paratypen Nr.2 bis 3, sowie Nr.20 im Naturhistorischen Museum Wien, Fischsammlung; Paratypus Nr.1 im Koninklijk Museum voor Midden Afrika, Tervuren; Paratypen Nr.4 bis 6 im Museum national d'Histoire naturelle, Laboratoire d'Ichtyologie générale et appliquée, Paris; Paratypen Nr.7 bis 19 im Musée de Zoologie de l'Université et de la Ville de Nancy.

Meristische und morphometrische Daten (siehe auch Tab. 2) als Mittelwerte mit den Standardabweichungen in Klammern:

Dorsalstrahlen 8,3 (0,5); Analstrahlen 14 (0,0); Position des Beginnes der Dorsale über der Anale 1/10; Schuppen-Längsreihe 28,5+2,8 (0,8); Totallänge 130% (1,6); Praedorsallänge 70,5% (0,8); Praeanallänge 55,6% (1,0); Praeventrallänge 46,3% (1,4); Körperhöhe 20,8% (0,5); Kopflänge 27,1% (0,8); Augendurchmesser 8,5% (0,5); Schnauzenlänge 8,2% (0,4). Beim Männchen sind mit Ausnahme der vordersten Strahlen viele in D und A verzweigt und diese beiden Flossen sowie die Caudale in lange Spitzen ausgezogen, beim Weibchen unverzweigte Strahlen in D und A; D, A und C gerundet; keine Ctenoidie; Muster der Kopf-Oberseite offen, trapezoid; Beschuppung vom G- Typ.

Zeichnungs- (Abb.6: Aphyosemion rectogoense sp. nov., Männchen, Wildfang von Sammelort Nr. G11/ 76 (oben), Männchen, Paratypus Nr. 20 von Sammelort Nr. G14/76 (unten); Fotos: E. PÜRZL) und Färbungsmuster der Männchen:

Oberseite braun, Unterseite weißlich, Körperseiten gelbbraun mit blauen Reflexen, welche jedoch wegen der großen, intensiv rot gefärbten Punkte und Flecken, die in nicht ganz regelmassigen Reihen stehen, nicht allzu stark in Erscheinung treten. Am Kopf, Kiemendeckel und Vorderkörper fließen die roten Punkte zu Binden zusammen. Unpaare und Bauchflossen goldgelb mit leuchtend karminroten Flecken, Strichen und Punkten, die in der Anale zu einem submarginalen Bindenmuster zusammenfließen, welches dem von A. ogoense ähnlich ist. In D, A und C schmale schwarzbraune Außensäume. Die Pectoralen zeigen auf farblosem Grunde ebenfalls in Strahlenrichtung verlautende rote Striche.

Zeichnungs- und Färbungsmuster der Weibchen:

Oberseite dunkel graubraun, Unterseite hell beige, Körperseiten braun, durch dunkle Schuppenränder genetzt erscheinend mit roten Punkten, welche auch in den farblosen Flossen sichtbar werden.

Biologie und Ökologie:

A. rectogoense sp. nov. scheint eine in ihrer Verbreitung auf das Batéké-Plateau beschrankte Savannenform zu sein, deren Vorzugsbiotop schattige Bäche darstellen. Der Bach Ossami, Sammelort Nr. G11/76, weist eine Bettbreite von 2 bis 10 m auf, die Wassertiefe betrug etwa 10 cm über weißem Sand und in Ausstanden mit sumpfigem Untergrund etwa 30 cm. Um 09.40 betrug die Lufttemperatur 19°C, die relative Feuchte 98%, das Wasser war jedoch wesentlich warmer, wir maßen 25,2°C. Die Gesamthärte betrug etwa 0,2°DH, der pH-Wert etwa 5, die Leitfähigkeit 19 µS20. Neben den Prachtkärpflingen fingen wir Aplocheilus (E.) nigricans, Tilapia spec. sowie Kaulquappen. Die Ergebnisse von Laboruntersuchungen an mitgebrachten Wasserproben sind Tab.3 zu entnehmen. - Sammelort Nr. G14/76 war ein ausgedehntes Sumpfgebiet, welches beim Straßenbau durch den Stau eines kleinen Baches entstanden war. Bei einer Lufttemperatur von 23°C und einer Feuchte von 90% registrierten wir um 14.20 eine Wassertemp. von 21,5°C, eine Gesamthärte von 0,2°DH, einen pH-Wert von 5,2 und eine Leitfähigkeit von 21 µS20. Neben A. rectogoense wurde auch H. fasciatus erbeutet. Wie A. lamberti ist auch A. rectogoense ein Substratlaicher mit kurzen Entwicklungszeiten der Eier. Nachzuchten des Stammes von G11/76 gibt es derzeit bei O. BÖHM, E.. PÜRZL, A. LAMBERT und W. WACHTERS.

Systematische Position:

Wie bereits oben erwähnt, ist auch A. rectogoense sp. nov. ein typischer Vertreter des A. elegans - Komplexes. Er unterscheidet sich durch sein charakteristisches Färbungs- und Zeichnungsmuster von den übrigen - bisher nur aus Zaïre lebend bekannt gewordenen - Arten Aphyosemion elegans (BLGR., 1899), Aphyosemion christyi (BLGR., 1920), Aphyosemion cognatum MEINKEN (1951), Aphyosemion schoutedeni (BLGR., 1920) und Aphyosemion melanopteron GOLDSTEIN und RICCO (1970). Die Zugehörigkeit des A. lamberti zu diesem Komplex wurde bereits oben erwähnt. Die sehr instruktiven Zeichnungen in Abb.7, welche uns Herr R. H. WILDEKAMP, Gemert, freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, erübrigen eine detailliertere Beschreibung der Unterschiede.

Verbreitung:

Die bisher bekannt gewordenen Fundorte von A. lamberti sp. nov. und A. rectogoense sp. nov. sind in Abb.8 in der Übersichtskarte von Gabun eingetragen. Abb. 9 zeigt einen dieser Fundorte im Bild.

Abb.7: Unterschiede zwischen verwandten Arten des A. elegans - Komplexes; von oben nach unten: A. aff. elegans Männchen aus Importen aus Zaïre, A. christyi Männchen Aquarienstamm aus USA, A. cognatum Männchen Aquarienstamm aus Kinshasa, von dem auch die. Typen stammen, A: schoutedeni Männchen Aquarienstamm, A. melanopteron Männchen Aquarienstamm vom unteren (?) Kongo, von welchem auch die Typen stammen, A. lamberti sp. nov. Männchen. Zeichnungen: R. H. WILDEKAMP.

Abb.8: Die Verbreitung von A. lamberti sp. nov. und A. rectogoense sp. nov. in Gabun.

Abb.9: Sammelort Nr. G14/76, typischer Savannen-Habitat von A. rectogoense Foto: RADDA.

 

Résumé

Deux espèces du genre Aphyosemion MYERS (Osteichthyes, Atheriniformes, Cyprlnodontidae) nouvelles pour la science, A. lamberti sp. nov. du Gabon Central et A. rectogoense sp. nov. du plateau Bateké au Gabon sud-oriental sont décrits.

Summary

Two species of the genus Aphyosemion MYERS (Osteichthyes, Atheriniformes, Cyprlnodontidae) hitherto unknown to science, A. lamberti sp. nov. from central Gabon and A. rectogoense sp. nov. from the Batéké plateau in southeastern Gabon are described.

 

Literatur:

LAMBERT, J. et J. GÉRY: Poissons du bassin de l'Ivindo. III. Le genre Aphyosemion. Biol. gabonica 3, 291-318 (1967).

SCHEEL, J. J.: Cytotaxonomic Studies: The Aphyosemion elegans group. Z. zool. Syst. Evolutionsf. 10, 122-127 (1972).

WILDEKAMP, R. H.: Vergleichende Untersuchungen zwischen diversen Formen von Aphyosemion lujae, Aphy. (striatum) ogoense gegenüber der unter diesem Namen bekannt gewordenen Aquarienform. Aquarienfreund 5, 203-218 (1976).

 

Tabelle 1:  A. lamberti sp.nov.  Meristische und morphometrische Daten 

  Holo. Para 1 2 3 4 5 6 7 8 9 52 53
Geschlecht M M M M W W M M W W M M
Standardlänge (mm) 34.5 27.5 27.0 25.0 22.0 22.0 23.5 23.5 23.0 22.0 25.5 23.0
Dorsalstrahlen 9 9 10 9 9 9 9 10 10 10 9 9
Analstrahlen 13 14 14 13 13 13 13 14 14 14 14 14
D/A Position 1/8 1/8 1/8 1/8 1/8 1/8 1/8 1/8 1/8 1/8 1/8-9 1/8-9
Schuppen-Längsreihe 29+2 29+2 28+3 28+2 28+2 28+3 28+2 28+2 28+2 27+2 28+1 28+3
Totallänge (%) 126 127 126 128 129 127 126 125 126 125 128 128
Praedorsallänge (%) 67 71 69 68 70 68 68 70 68 68 69 70
Praeanallänge (%) 57 60 57 58 59 59 58 58 57 58 57 61
Praeventrallänge (%) 46 49 48 48 50 50 48 47 47 46 47 50
Körperhöhe (%) 20 22 20 20 20 18 19 19 18 18 20 20
Kopflänge (%) 26 29 28 26 25 25 25 23 24 25 26 26
Augendurchmasser(%) 8 8 8 8 9 9 8 9 9 9 8 8
Schnauzenlänge (%) 9 9 9 9 10 10 - - - - 9 10

 

Tabelle 2:  A. rectogoense sp. nov. Meristische und morphometrische Daten

  Holo. Para 1 2 3 4 5 6 7
Geschlecht M M W W M M M M
Standardlänge (mm) 26.0 26.0 25.5 24.0 25.0 22.0 20.0 23.5
Dorsalstrahlen 9 9 8 8 8 8 8 8
Analstrahlen 14 14 14 14 14 14 14 14
D/A Position 1/9-10 1/9-10 1/10-11 1/10-11 1/10 1/10 1/10 1/10
Schuppen-Längsreihe 29+3 28+3 28+3 27+3 29+3 29+3 29+2 29+2
Totallänge (%) 142 140 126 127 128 127 127 126
Praedorsallänge (%) 71 69 71 71 70 71 71 70
Praeanallänge (%) 56 54 55 56 56 56 57 57
Praeventrallänge (%) 46 44 45 46 47 48 48 48
Körperhöhe (%) 21 21 20 21 20 21 21 21
Kopflänge (%) 27 27 26 27 26 28 28 28
Augendurchmasser(%) 8 8 8 8 9 9 9 9
Schnauzenlänge (%) 8 8 8 8 - - - 9

 

Tabelle 3: Hydrochemische und hydrophysikalische Daten von drei Wasser proben aus Zentral und Südgabun

Sammelort Nr.  10 11 16
Aphyosemion-Art LAI ROG ROG
Datum   4.8 6.8 7.8
Uhrzeit  18.20 10.00 09.50
pH-Wert  7.2 5.5 6.3
el. Leitfähigkeit  33 18 23
Gesamthärte °DH  0.45 0.03 0.20
Ca++ °DH  0.20 - 0.08
Mg++  °DH  0.25 - 0.12
NH4+ mg/l  0.40 0.00 0.30
NO2- mg/l  0.00 0.00 0.00
NO3- mg/l < 0.5 < 0.5 < 0.5
Cl- mg/l 3.1 2.1 2.8
KMnO4- Verbrauch mg/l 20 6 12

 


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